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Aktuelle Rechtslage

Reifen & Räder – Welche Vorschriften gelten in Deutschland?

Reifen und Räder gehören zu den wichtigsten sicherheitsrelevanten Bauteilen eines Fahrzeugs. Sie sind die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrbahn und beeinflussen maßgeblich das Bremsverhalten, die Fahrstabilität und die Sicherheit im Straßenverkehr.

Trotzdem beschäftigen sich viele Fahrzeughalter erst dann mit ihren Reifen, wenn ein Wechsel ansteht oder ein Mangel festgestellt wird. Dabei gibt es rund um Reifen und Räder zahlreiche Vorschriften und Anforderungen, die jeder Autofahrer kennen sollte.

Von der richtigen Profiltiefe über die Winterreifenpflicht bis hin zu Reifengröße, Tragfähigkeit und dem Alter der Reifen: Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Regelungen.

Grundlagen und rechtlicher Rahmen

Reifen und Räder müssen in Deutschland verschiedenen gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Die Grundlage bilden unter anderem die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), europäische Regelungen sowie die Vorgaben der Fahrzeughersteller.

Besonders wichtig ist dabei, dass nicht jede Rad-Reifen-Kombination automatisch zulässig ist. Wer andere Felgen oder Reifen montieren möchte, sollte vorab prüfen, ob die Kombination für das Fahrzeug freigegeben ist oder gegebenenfalls eine Abnahme erforderlich wird.

Maßgeblich sind dabei unter anderem:

Angaben in den Fahrzeugpapieren
Herstellerfreigaben
Allgemeine Betriebserlaubnisse (ABE)
Teilegutachten
gesetzliche Vorgaben und EU-Kennzeichnungen

Wer nicht zugelassene Kombinationen verwendet, riskiert unter Umständen das Erlöschen der Betriebserlaubnis.

Profiltiefe – Was ist vorgeschrieben?

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Pkw-Reifen beträgt in Deutschland 1,6 Millimeter. Unterschreitet ein Reifen diesen Wert, darf er nicht mehr im Straßenverkehr verwendet werden.

Aus technischer Sicht sollte jedoch deutlich früher über einen Reifenwechsel nachgedacht werden. Mit zunehmendem Verschleiß nimmt die Fähigkeit des Reifens ab, Wasser von der Fahrbahn abzuleiten. Dadurch verschlechtern sich wichtige Fahreigenschaften.

Besonders betroffen sind:

Bremsweg
Traktion
Kurvenverhalten
Aquaplaning-Sicherheit

Viele Fachleute empfehlen deshalb:

Sommerreifen ab etwa 3 Millimetern zu ersetzen
Winterreifen ab etwa 4 Millimetern zu ersetzen

Gerade bei Regen oder winterlichen Straßenverhältnissen können wenige Millimeter Profil einen entscheidenden Unterschied machen.

Das Alter der Reifen wird häufig unterschätzt

Neben der Profiltiefe spielt auch das Alter eines Reifens eine wichtige Rolle. Viele Fahrzeughalter gehen davon aus, dass das Kaufdatum entscheidend ist. Tatsächlich kommt es jedoch auf das Herstellungsdatum an.

Auch wenn ein Reifen nur wenig gefahren wird, altert die Gummimischung im Laufe der Jahre. Das Material kann aushärten und dadurch an Haftung verlieren. Die Folgen zeigen sich häufig erst in kritischen Fahrsituationen, beispielsweise bei einer Notbremsung oder auf nasser Fahrbahn.
Das Herstellungsdatum lässt sich über die sogenannte DOT-Nummer auf der Reifenflanke erkennen. Die letzten vier Ziffern geben Produktionswoche und Produktionsjahr an.

Beispiel: DOT 2524 = Herstellung in der 25. Kalenderwoche 2024

Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht. Viele Hersteller und Fachleute empfehlen jedoch, Reifen ab einem Alter von sechs bis zehn Jahren besonders sorgfältig prüfen zu lassen.

Gerade Fahrzeuge mit geringer Laufleistung verfügen häufig noch über ausreichend Profil, obwohl die Reifen bereits ein kritisches Alter erreicht haben.

Winterreifenpflicht in Deutschland

In Deutschland gilt keine kalendergebundene Winterreifenpflicht, sondern eine sogenannte situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet: Sobald winterliche Straßenverhältnisse herrschen, müssen geeignete Reifen montiert sein.

Dazu zählen insbesondere:

Glatteis
Schneeglätte
Schneematsch
Eisglätte
Reifglätte

Als wintertauglich gelten Reifen mit dem Alpine-Symbol, also dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke.

Wer bei entsprechenden Straßenverhältnissen ohne geeignete Bereifung unterwegs ist, muss mit Bußgeldern rechnen. Zusätzlich können versicherungsrechtliche Probleme entstehen, wenn es zu einem Unfall kommt.

Reifengröße und Tragfähigkeit

Nicht jede Reifengröße darf auf jedem Fahrzeug verwendet werden. Die Reifen müssen hinsichtlich ihrer Dimensionen und Belastbarkeit zu den technischen Anforderungen des Fahrzeugs passen.

Dabei spielen insbesondere folgende Werte eine Rolle:

Reifendimension
Tragfähigkeitsindex (Load Index)
Geschwindigkeitsindex

Diese Angaben sind auf der Reifenflanke zu finden und müssen den Anforderungen des Fahrzeugs entsprechen.
Insbesondere moderne Elektrofahrzeuge stellen aufgrund ihres höheren Gewichts und des hohen Drehmoments oft besondere Anforderungen an die Bereifung. Werden ungeeignete Reifen verwendet, kann dies zu erhöhtem Verschleiß oder Einschränkungen bei der Fahrsicherheit führen.

Räder und Felgen

Auch Felgen unterliegen bestimmten gesetzlichen Vorgaben. Besonders bei Zubehörfelgen ist darauf zu achten, dass die jeweilige Rad-Reifen-Kombination zulässig ist.

Je nach Ausführung können erforderlich sein:

eine ABE
ein Teilegutachten
eine Änderungsabnahme

Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn Änderungen an folgenden Bereichen vorgenommen werden:

Spurbreite
Fahrwerk
Rad-Reifen-Kombination
Fahrzeughöhe

Nicht jede optisch passende Felge ist automatisch zulässig. Vor einer Umrüstung sollte deshalb geprüft werden, welche Nachweise erforderlich sind.

Mischbereifung – erlaubt oder problematisch?

Immer wieder stellt sich die Frage, ob unterschiedliche Reifen an einem Fahrzeug gefahren werden dürfen. Grundsätzlich sollten auf einer Achse Reifen gleicher Größe, Bauart sowie mit identischen Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitswerten verwendet werden.

Unterschiedliche Reifen können sich negativ auswirken auf:

Fahrverhalten
Bremsleistung
Spurtreue
Fahrstabilität
Assistenzsysteme

Gerade moderne Fahrzeuge mit ABS, ESP und weiteren Fahrerassistenzsystemen reagieren sensibel auf unterschiedliche Reifencharakteristiken.

Beschädigte oder abgefahrene Reifen

Reifenschäden sollten niemals unterschätzt werden. Bereits kleine Beschädigungen können die Stabilität eines Reifens beeinträchtigen.

Besonders kritisch sind:

Risse
Beulen
Schnitte
eingefahrene Fremdkörper
ungleichmäßiger Verschleiß

Solche Schäden können im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Luftverlust oder sogar zum Versagen des Reifens führen. Wer Beschädigungen feststellt, sollte diese zeitnah fachgerecht überprüfen lassen.

Reifendruck – oft unterschätzt, aber enorm wichtig

Der richtige Reifendruck hat Einfluss auf Sicherheit, Verschleiß und Kraftstoffverbrauch. Trotzdem wird er von vielen Fahrzeughaltern nur selten kontrolliert.

Ein zu niedriger Reifendruck kann:

den Bremsweg verlängern
die Fahrstabilität verschlechtern
den Reifenverschleiß erhöhen
den Kraftstoffverbrauch steigern
die Reifen stärker erwärmen

Bereits geringe Abweichungen vom vorgeschriebenen Luftdruck können sich negativ auswirken. Deshalb empfiehlt es sich, den Reifendruck regelmäßig zu kontrollieren und an Beladung oder Fahrbedingungen anzupassen.

Fazit

Reifen und Räder haben einen erheblichen Einfluss auf die Sicherheit eines Fahrzeugs. Dabei geht es nicht nur um ausreichend Profil, sondern auch um das Alter der Reifen, den richtigen Reifendruck, die passende Reifengröße und einen einwandfreien technischen Zustand.

Wer seine Reifen regelmäßig kontrolliert und auf die geltenden Vorschriften achtet, erhöht nicht nur die Sicherheit im Straßenverkehr, sondern vermeidet häufig auch unnötigen Verschleiß und Folgekosten.

Häufig gestellte Fragen